“Musik wäscht den Staub des Alltags von der Seele.”
Diesen Satz habe ich einmal gelesen. Erst später habe ich verstanden, wie wahr er ist.

Musik war für mich nie nur ein Hobby. Sie war ein Ort, an den ich immer zurückkehren konnte. Ein Ort, an dem ich für einen Moment alles andere vergessen durfte.

Angefangen hat alles mit der Mundharmonika. Schon lange bevor die Krankheit mein Leben veränderte, faszinierte mich ihr Klang. So klein sie ist, so groß ist das Gefühl, das in ihr steckt. Durch sie entdeckte ich den Delta Blues – eine Musik, die nichts versteckt. Keine Perfektion, keine Show. Nur Ehrlichkeit.

Auf meiner Reise durch den Blues begegnete mir Mississippi Fred McDowell und sein Lied “You Gotta Move”.

Beim ersten Hören wusste ich: Das ist mehr als ein Lied.

Es erzählt davon, dass das Leben niemals stehen bleibt. Irgendwann muss jeder Mensch weitergehen. Egal ob reich oder arm, gesund oder krank – niemand bleibt für immer am selben Ort. Das Leben fordert uns auf, den nächsten Schritt zu gehen, auch wenn wir ihn uns nie ausgesucht hätten.

Damals ahnte ich noch nicht, welche Bedeutung diese Worte einmal für mich bekommen würden.

Als ich an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankte und die Chemotherapie begann, kam die Polyneuropathie. Meine Fingerspitzen wurden taub. Gerade in dieser Zeit entschied ich mich, etwas zu tun, das viele für verrückt gehalten hätten:

Ich begann, Gitarre zu lernen.

Ich hatte das große Glück, mit Klaus einen Gitarrenlehrer zu finden, der mir viel mehr beigebracht hat als Akkorde. Er zeigte mir, dass Musik nichts mit Perfektion zu tun hat. Es geht nicht darum, fehlerfrei zu spielen. Es geht darum, etwas zu fühlen.

An manchen Tagen wollten meine Finger nicht das tun, was mein Herz spielen wollte.

Aber ich spielte trotzdem.Langsam.Ton für Ton.

Es gab unzählige schlaflose Nächte. Nächte voller Schmerzen, Gedanken und Sorgen.

In diesen Nächten brauchte ich keinen Psychologen.

Meine Gitarre war meine Psychologin.

Wenn ich spielte, wurde mein Kopf ruhiger. Die Sorgen traten für einen Moment in den Hintergrund. Nicht weil sie verschwanden, sondern weil die Musik ihnen für eine Weile den Platz nahm.

Aus einer Gitarre wurden mehrere. Dazu kamen eine Ukulele, ein Washboard, Spoons und viele andere Instrumente. Nicht, weil ich sammeln wollte, sondern weil jedes Instrument seine eigene Stimme hat und seine eigene Geschichte erzählt.

Der Blues hat mir etwas Wichtiges beigebracht:

Man muss nicht perfekt sein.Man muss nicht stark wirken.Man darf Fehler machen.Man darf traurig sein.Und trotzdem weitermachen.

Vielleicht ist genau das die Botschaft von “You Gotta Move”.

Nicht aufgeben.

Nicht stehen bleiben.

Das Leben geht weiter – Schritt für Schritt, Ton für Ton.

Wenn du auf den nächsten Seiten meine Lieder hörst oder eines meiner Videos ansiehst, dann hörst du nicht nur Musik.

Du hörst ein Stück meines Lebens.

Vielleicht erkennst du darin, warum ich den Blues liebe.

Denn Blues handelt nicht vom Aufgeben.

Er handelt davon, trotz allem weiterzuspielen.

Im Augsut 2025 erfüllte mir Klaus einen grossen Traum, ich durfte meine Mundharmonika vor Puplikum spielen, Danke es war ein wunderschöner Moment in der schweren Zeit.

Im Juni 2026 schien es so als……… Trotzdem spielten wir noch ein schnellstes letztes STück.

Im August 2026 wurde ich von Klaus wieder eingeladen zur red night. Gutes zu tun und helfen ist so schön