Wood & Soul
Es gibt einen alten Blues-Gedanken: Alles kommt von irgendwo, und irgendwann kehrt alles wieder dorthin zurück.
Holz war schon immer ein Teil meines Lebens. In meiner Werkstatt entstanden viele kleine und große Projekte. Der Duft von Sägespänen, das Gefühl von frisch geschliffenem Holz und die einzigartige Maserung jedes Stücks haben mich immer fasziniert. Kein Brett gleicht dem anderen – genau wie kein Mensch dem anderen gleicht.
Als ich wusste, dass mein Weg kürzer werden würde, entstand ein ungewöhnlicher Gedanke: Warum sollte ich nicht auch mein letztes Werkstück selbst bauen?
Die Grundlage war eine schlichtes Zirbenholz – ein Holz aus unseren Bergen, vertraut, warm und voller Ruhe. Danach verleimte ich sie sorgfältig mit feinem Walnussfurnier. Die dunkle Maserung erinnerte mich an alte Gitarren, an den Blues und an all die Stunden, die ich mit meinen Händen etwas erschaffen durfte.
Jedes Stück Furnier wurde angepasst, verleimt und geschliffen. Langsam. Ohne Eile. Fast wie ein Blues – Ton für Ton, Schritt für Schritt.
Während ich daran arbeitete, wurde mir bewusst: Es geht nicht darum, etwas für den Tod zu bauen. Es geht darum, das Leben zu vollenden.
In jeder Holzfaser steckt ein kleiner Teil meiner Geschichte – die Liebe zu meiner Familie, die Freude an der Musik, meine Werkstatt, das Lachen mit Freunden, die schweren Zeiten und die schönen Momente. All das hat seinen Platz gefunden.
Vielleicht wirkt es auf manche Menschen ungewöhnlich, die eigene Urne zu bauen. Für mich war es ein Geschenk. Solange ich Holz bearbeiten, schleifen und gestalten konnte, fühlte ich mich lebendig. Nicht die Krankheit bestimmte diesen Moment – sondern ich.
Eines Tages wird dieses Werkstück still seinen Platz finden. Doch ich hoffe, dass niemand nur eine Urne sieht. Ich wünsche mir, dass man die Hände erkennt, die sie gebaut haben. Dass man den Duft des Holzes wahrnimmt. Und dass man sich an den Menschen erinnert, der das Leben geliebt hat – mit allen Höhen und Tiefen.
Wie ein alter Blues endet auch diese Geschichte nicht wirklich. Die letzten Töne verklingen, doch sie bleiben im Herzen.
Das Holz bleibt nicht für immer. Die Liebe schon.









